Heilbad Heiligenstadt/Bad Sulza, 15. September 2025 (tpr) – Thüringens Wirtschaftsministerin Colette Boos-John (CDU), Sozialministerin Katharina Schenk (SPD) und Innenstaatssekretär Andreas Bausewein (SPD) diskutierten am Montag beim 35. Thüringer Bädertag in Heilbad Heiligenstadt mit Branchenvertretern über die Zukunft des Gesundheitstourismus im Freistaat. Eingeladen hatte der Thüringer Heilbäderverband (THBV), der auch seine Halbjahresbilanz vorlegte und über Erfolge bei einem vom Umweltministerium geförderten Klimaschutzprojekt berichtete.
THBV-Präsident Matthias Strejc erläuterte die vielfältigen Herausforderungen, mit denen sich Thüringens Kurorte und Heilbäder aktuell konfrontiert sehen, und forderte Unterstützung durch die Politik: „Demografischer Wandel, Digitalisierung, Klimaschutz, Investitionsstau sowie steigende Energie- und Betriebskosten stellen die traditionsreichen Gesundheitsorte vor enorme Anforderungen. Aus eigener Kraft können die Kommunen diese nicht bewältigen. Wir brauchen passfähige Förderprogramme und eine planbare Unterstützung des Landes Thüringen.“
Angesichts der besonderen Rolle von Kurorten und Heilbädern unterstrich der Verband die Notwendigkeit des Sonderlastenausgleichs und fordert dessen uneingeschränkte Fortführung in bisherigem Umfang. Rückenwind erhält diese Forderung durch eine aktuelle ifo-Studie vom April im Auftrag des Landes Thüringen, die den Sonderlastenausgleich als „prinzipiell berechtigt und vom Gesamtvolumen her angemessen“ bestätigt. Darüber hinaus setzt sich der Thüringer Heilbäderverband entschieden für den Erhalt der kommunalen Thermalbäder ein. Beide Maßnahmen seien unverzichtbar, um die Entwicklung der Kurorte langfristig zu sichern und ihre Zukunftsfähigkeit nachhaltig zu gewährleisten.
Jede vierte Übernachtung in Thüringen findet in einem Kurort statt
Die achtzehn Kurorte und Heilbäder sind eine tragende Säule für Thüringens Tourismuswirtschaft. Etwa 2,5 Millionen Übernachtungen – ein Viertel aller Übernachtungen im Freistaat – entfallen jährlich auf diese Orte. „Das Vor-Corona-Niveau ist nahezu erreicht“, sagte Strejc mit Blick auf die Halbjahresbilanz. „Doch die aktuellen Zahlen zeigen auch, dass es ohne Investitionen nicht weiter aufwärts gehen wird.“ Von Januar bis Juni wurde in den Thüringer Kurorten mit 1.290.969 Übernachtungen ein leichter Rückgang von 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum verzeichnet – ein Wert, der exakt dem landesweiten Trend entspricht. Während einige Kurorte ein Plus verbuchten, rutschten insbesondere jene Orte mit derzeit sanierungsbedingt geschlossenen Thermalbädern ins Minus. Das zeige einmal mehr, wie wichtig der Erhalt der Bäder sei, betont der Verbandspräsident.
Welche Rolle spielen die Kurorte in der Thüringer Tourismusstrategie? Wie wird der Sonderlastenausgleich als dringend benötigte Unterstützung für die Kurorte verstetigt? Wie reagiert die Politik auf die angespannte Finanzlage der Thermalbäder? Das waren einige der Themen der Podiumsdiskussionen am Vormittag.
Kurlotsen, Ärztebildung, Klimaprojekte: Wie der Heilbäderverband Kurorte stärken will
Wachstumsimpulse für die Kurorte gibt auch der Thüringer Heilbäderverband und nimmt sich damit selbst in die Pflicht. Auf dem Bädertag stellte der THBV seine vielfältigen Initiativen zur Unterstützung der Kurorte vor. Im November etwa beginnt die Ausbildung zum zertifizierten „Thüringer Kurlotsen“. Je Kurort soll ein kompetenter Ansprechpartner Kurpatienten im Kurauswahlverfahren sowie der Planung und Finanzierung ihrer Kur fachlich zur Seite stehen. Auch Mediziner stehen als wichtige Multiplikatoren im Fokus des Verbandes: Im April fand eine erste Fortbildungsveranstaltung statt. Zwölf Ärzte haben sich über das breite Spektrum an Kurformen und besondere Therapieangebote in Thüringen weitergebildet. Eine Fortsetzung der Veranstaltungsreihe ist in Planung.
In dem vom Thüringer Umweltministerium geförderten Projekt „Auf dem Weg zum klimaneutralen Kurort“ konnte der Heilbäderverband Neues berichten: Die vier Modellorte Bad Klosterlausnitz, Saalfeld, Bad Langensalza und Bad Sulza haben in einem umfangreichen Prüfverfahren ihren CO₂-Ausstoß ermittelt und konkrete Maßnahmenpläne aufgestellt, die sie nun in ihre Stadt- und Energieplanungen integrieren. Daraus wurden weiterführend Handlungsempfehlungen für alle Kurorte in Thüringen abgeleitet.
Impulsvortrag, Mutmacher-Runde, Fachexkursion: 35. Bädertag gibt Aus- und Einblicke
Tourismusexperte Jan-F. Kobernuß von der ift Freizeit- und Tourismusberatung hielt einen Impulsvortrag über die Entwicklung der Kurorte auf der Grundlage der Kurortstudie des Thüringer Wirtschaftsministeriums aus dem Jahr 2021. Anhand von zehn Kernthesen präsentierte er die Trends und Herausforderungen für die Thüringer Kurorte. Außerdem zeigte eine „Mutmacher-Runde“ mit innovativen Projekten aus den Thüringer Kurorten, wie Zukunftsthemen erfolgreich umgesetzt werden können. Bei einer Fachexkursion mit Gastgeber Thomas Spielmann, Bürgermeister des Heilbades Heiligenstadt, erhielten die Teilnehmer Einblicke in die innovativen Angebote des Kur- und Gesundheitsstandortes.
Der Thüringer Bädertag wird seit 1991 einmal im Jahr an wechselnden Orten ausgerichtet. Er ist ein Forum für fachlichen Austausch der Branche sowie der Diskussion über zukünftige Herausforderungen. ■
Online-Pressebereich Thüringer Heilbäderverband e.V.:
https://www.natur-kur-thueringen.de/presse
Herausgeber:
Thüringer Heilbäderverband e.V.
Kurpark 2, 99518 Bad Sulza
T: 036461 877801
E-Mail: info(at)natur-kur-thueringen.de
www.natur-kur-thueringen.de
Pressekontakt:
Rainer Engelhardt
T: 036461-877802
E-Mail: engelhardt(at)natur-kur-thueringen.de
Über den Thüringer Heilbäderverband e.V.
Der im Jahr 1991 gegründete Thüringer Heilbäderverband e.V. (THBV) ist die landesweite Interessenvertretung der 18 prädikatisierten Heilbäder und Kurorte in Thüringen. Seine Aufgabe ist es, seine Mitglieder gesellschafts-, sozial- und wirtschaftspolitisch zu unterstützen und für Gesundheitstourismus und Kuren in Thüringen zu werben. Die Orte müssen laut Thüringer Kurortgesetz natürliche Heilmittel wie Sole, Heilwasser, Moor oder heilendes Klima aufweisen, anerkannte Heilverfahren wie die Kneipptherapie anwenden und einen „artgemäßen Kurortcharakter“ nachweisen. Zu den Mitgliedern des THBV gehören Bad Berka, Bad Colberg, Bad Frankenhausen, Bad Klosterlausnitz, Bad Langensalza, Bad Liebenstein, Bad Lobenstein, Bad Salzungen, Bad Sulza, Bad Tabarz, Bad Tennstedt, Finsterbergen, Friedrichroda, Heilbad Heiligenstadt, Masserberg, Neustadt/Harz, Saalfeld und Stützerbach.